Italy: Love it or leave it – Gespräch mit einem der Regisseure

….endlich ist der schicksalsschwere Tag des 27. gekommen … zum Glück ist alles gut gegangen, das macht uns glücklich, vor einigen Wochen ist ein großer Artikel über den Film in der FAZ erschienenund hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht, während der Film sehr gut in den Kinos von Toronto, Sydney anläuft… in 10 holländischen Städten läuft er bereits seit 10 Wochen. Das müsste reichen um auf die Fragen, die du uns gestellt hast, zu antworten. Das was wir in diesen 18 Monaten auf unserer „Welttour“ gelernt haben ist tatsächlich, dass unser brüskiertes Land im Ausland viel mehr geliebt wird als wir „im innern“ es je lieben können.

Es gibt sehr viel Zuneigung für Italien, sehr viel Neugierde und außerdem gibt es sehr große Besorgnis über diese Wieder-Wieder-Wieder-Wiederkehr auf die politische Bühne von Berlusconi, eine Tatsache, die unseren Film auf traurige Weise akuell und notwendig macht. Hier scheinen einige vergessen zu haben, wie die Situation war als „er da war“ – hier ist Berlusconi gemeint – nicht Mussolini – und nun sind manche bereit zu glauben, dass eine weitere Chance ihn von den Irrtümern der Vergangenheit freikaufen könnte.

Da ist etwas Katholisches und Selbstverstümmelndes in diesem Wunsch des Vergebens jeglicher seiner Fehler und selbst das Schlimmste zu vergessen. Vielleicht ist dies unser Geheimnis, ich möchte sagen die Fähigkeit weiter zu gehen, obwohl die Geschichtegegen uns war und uns kein Unglück erspart geblieben ist, eingeschlossen eine zwanzigjährige (?) (nie verarbeitete) Diktatur, Verwüstungen, Gewaltakte, Einmärsche, nicht eingehaltene Versprechen, korrupte Regierungen, die Mafia, überfällige Monarchien, Pontifikate, abgewichenes Freimaurertum sowie staatliche angeordnete Massaker. Sei es ein „Land einzigartig in seinen Charakteristika“, dann liegt es auf der Hand jetzt daran zu erinnern…. Aber das Bizarre ist, dass man je nach Laune des Abends einen Film als Pessimist oder als Optimist sehen kann. Zum Beispiel, im Ausland ist man beeindruckt von der Schönheit einiger Landschaften (die Toscana, das Meer von Sizilien, das Schloss in Kalabrien), diese Schönheiten sind für uns eine solche Gewohnheit, dass sie uns nicht mehr beeindrucken … und deshalb sind wir wortwörtlich bestürzt über unser Zivilgesellschaft, die in der Lage ist (durch Facebook) auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren, durch unseren Aktionismus, unser Ehrenamt, durch unsere Großzügigkeit (wie die Hausmeister in Bergamasco , die letzte Woche
beschlossen haben ihr Gehalt um 30 euro zu kürzen, um das Kantinenessen der eingewanderten Kinder zu bezahlen), in anderen Worten über unsere Leidenschaft und unsere Phantasie. Das ist das, was einen Regierenden aus Apulien wie einen Poeten sprechen lässt oder einen Mönch in Klausur wie einen alten Heiligen aus dem Gebirge.

Wenn man in einem anderen Land versuchen würde einen ähnlichen Film zu machen, würde es einem nicht gelingen, 12 „Helden des Alltags“ zu finden, wie diese, die wir gefunden habe (und wir hätten noch viel mehr gefunden, aber wir konnten ja keinen 6 Stunden langen Film drehen).
Also, wenn du beunruhigt bist, „was werden sie nun über uns im Ausland sagen“, musst du wissen, dass sie immer gut über uns gesprochen haben, das sie sehr gut verstanden habe, dass wir unsere Probleme erkennen und es nicht wie andere machen, die versuchen, alles unter den Teppich zu kehren. Vielleicht ist das Problem, das wir zu oft darüber sprechen, in einer dramatischen und theatralischen Art, die uns eigen ist.

Als wir in Singapur waren, erschien es uns wie ein perfektes Land, wenn du jedoch die Skelette im Schrank entdeckst, ist das einzige was zu willst, sofort mit dem Flugzeug wieder nach Hause zu fliegen.

Alles was man in der Dokumentation sehen kann ist wahr, außer dass wir von unserer Wohnung aus die „Schreibmaschine“ sehen können, sondern die Parabolantennen der römischen Peripherie (was kein schönes Ende des Films gewesen wäre) und sicherlich sind wir in Italien geblieben, da wir neugierig sind, was aus diesen vorgezogenen Wahlen im Februar werden wird. Sicher ist, dass – sollte die Rechte gewinnen, wir bestimmt wieder darüber nachdenken werden, wegzugehen, dieses Mal ernsthaft, aber es freut uns daran zu denken, dass wir ein Teil eines Zyklus sind, der am Ende eine definitive Veränderung bringen wird. In einem Monat sind wir schlauer.

Wir können noch nicht versprechen, ob wir in der Lage sein werden, nochmals zu kommen auch wenn uns das gefallen würde. Es gibt bestimmt viele Personen, die etwas ändern möchten, wir müssen sie nur suchen. Zum Beispiel die Frauen der Bewegung „wenn nicht jetzt, wann dann“ (se non ora quando). Denen konnten wir aus Platzgründen nur sehr wenig Raum geben, aber ihnen würde mehr Aufmerksamkeit gebühren, genauso wie Lorella Zanardo mit ihrer Dokumentation „Der Körper der Frauen“ (il corpo delle donne). Ich weiß, dass sie viel gegeben hat, dass ihr Film in Schulen in Italien und dem Rest der Welt gezeigt wird. Sie hat jetzt ein neues Buch geschrieben – halten wir uns auf dem Laufenden.

Danke für deine Mail –

Lg

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